Waldumbau

Steigende Temperaturen und länger andauernde Trockenphasen lösen Hitze- und Trockenstress bei Bäumen und Wäldern aus. Ein angepasster Waldumbau hin zu standortgerechtem Laub- und Mischwald bewirkt eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen und auch Schädlingen. Er soll weg von gleichalten Nadelbaum-Monokulturen hin zu artenreichen und stabilen Mischwäldern führen.
Rund 11,4 Mio. Hektar Wald in Deutschland sind mit Gemeiner Fichte zu 26% und Waldkiefer zu 23% bestanden. Dieser hohe Nadelbaumanteil ist das Ergebnis der
Wiederaufforstungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert und nach den beiden Weltkriegen, die den jeweils großen Holzbedarf dieser Zeiten decken sollten. Es zeigte sich bald, dass großflächige, gleichaltrige Nadelbaumbestände schwerwiegende Probleme mit sich bringen, wie Waldbrandgefahr, Sturmschäden und erhöhten Schädlingsbefall durch das veränderte Klima. Um diesen Problemen zu begegnen, wurde in den 1990er Jahren mit dem Umbau begonnen.

Vorgehen:

Auslichtung des Nadelwald-Altbestandes, Bepflanzung der Zwischenräume mit Ahorn-, Buchen-, und Eichensetzlingen, Setzlinge können sich im Schutz der Altbäume entwickeln.

Vorteile:

zu keinem Zeitpunkt besteht ein Kahlschlag mit Problemen, wie Bodenerosion oder Verbuschung mit Traubenkirsche.

Der Umbaubedarf der deutschen Wälder ist weiterhin hoch. Für das Gelingen des Waldumbaus hat die Entwicklung des Klimas große Bedeutung. Ein stärkerer Holzeinschlag und eine entsprechend größere Öffnung des Kronendachs treiben die Höchsttemperaturen im Wald um bis 13° in die Höhe. Damit wächst auch die Vulnerabilität, also die Empfindlichkeit und Verletzlichkeit, der Wälder im Klimawandel. Folgen auf die Dürreperioden der vergangenen Jahre weitere Trockenzeiten, so werden gepflanzte Laubbaumsetzlinge nicht anwachsen und vertrocknen, was schon zu beobachten ist. Außer diesen ökologischen sind wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen, die dem beabsichtigten Waldumbau teilweise entgegenstehen. Nadelbäume benötigen für ihr Wachstum bis zur Reife eine wesentlich geringere Zeit als Laubbäume. Außerdem verlangt die Bauwirtschaft Nadelbaumholz für Balken, Dachlatt en usw. Dafür ist Laubbaumholz nicht zu verwenden (Eiche zu teuer, Buche zu schwer und nicht formstabil).

Die Nutzungsintensität durch Waldwirtschaft hat erheblichen Einfluss darauf, wie sehr sich die Wälder aufheizen und dadurch potenziell geschädigt werden. Wasserverluste und das Risiko von Hitzeschäden wachsen durch stärkere Durchforstung an. Die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde empfiehlt, das Kronendach möglichst geschlossen zu halten (mindestens zu 80 %) und die Wälder entsprechend behutsam zu nutzen. Waldbewirtschafter*innen tragen eine herausragende Verantwortung für das Landschafts-Temperaturmanagement im Klimawandel.

Inhalt und Bilder: Dr. Claus Kuhnhardt